Nov 062011
 

Es gibt immer wieder Ereignisse, die einen mehr als deutlich mit sämtlichen existierenden persönlichen Schwachstellen konfrontieren. Grundsätzlich ist es ja ganz heilsam, durch eine schlechte Angewohnheit einen Nachteil zu erleiden, weil man so (zum 368. Mal) die Gelegenheit bekommt, endlich daraus zu lernen. Leider ist die Sache mit dem Daraus-lernen nicht ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint.

Da lege ich mir also nach meiner Kurswoche ein wunderschönes Lebensänderungsprogramm zurecht:
Arbeit reduzieren, mehr Zeit für die Kinder, unrentable Aufträge von vorneherein ablehnen, endlich Mal das Haus entrümpeln.

Schön gedacht.

Tatsächlich kommen jede Menge wichtiger Aufträge rein, die Kinder werden der Reihe nach krank, die Hausentrümpelungs-Hilfe ebenfalls und ich höre mich am Telefon sagen „Nein, das kostet nicht so viel – das kriegen wir schon…“

STOPPPPPPPPPPP!!!!!!

Was geht hier eigentlich ab? Bin ich im falschen Film, oder was?
Ist meine zentrale Schwachstelle, meine Schwachstellen nicht überwinden zu können?

Das würde meinen Alltag aber deutlich verkomplizieren…

Sep 192011
 

So, jetzt haben wir also die erste Neuer-Alltag-Woche hinter uns, in die gleich alles reingepackt war, was irgendwie möglich ist. Anstrengend ist sie gewesen, nicht nur wegen der Umstellung am Morgen, sondern auch, weil sich unser Kindergartenkind gleich seine erste Erkältung eingefangen und dem kleinen Bruder vererbt hat.
Wer schon einmal drei Nächte mit Zwergen im Bett verbracht hat, weiß, wie der Schlaf dann aussieht und wenn die Nacht dann auch noch um 5:30 Uhr zu Ende ist, hält sich der Elan für das große Arbeitsprojekt ziemlich in Grenzen.
Am Samstag, nach meinem Ausbildungs-Übungstag hatten wir dann ein Grillfest bei meiner Familie, am Sonntag hatte mein Schwiegervater Geburtstag und heute, wo es nach dem üppigen Wochenende eigentlich nur kalte Küche geben sollte, versäumte meine Große den Bus und ich musste sie und eine Freundin holen, die dann zum Essen blieb (dass ich schnell noch kochte).

Leute, ich sage es euch: Ich bin platt.
Ein etwas langsamerer Einstieg wäre schon schön gewesen.
Dafür kann es jetzt nur besser bzw. ruhiger werden – ich freue mich schon darauf.

Und weil ich in der vergangenen Woche gar nicht mehr dazu gekommen bin, hier ein paar Zeilen zu schreiben, zeige ich jetzt noch schnell den Sonnenaufgang vom letzten Donnerstag, weil es da (noch) so schön war. Und wenn ihr die Häuser genau anguckt, dann seht ihr, dass wir über dem Bodennebel wohnen, der Riedenburg noch zwei, drei Stunden den Anblick der Sonne verwehrt…

Nov 062010
 

Von wegen Website-Aktualisierung!
Haha!
Haaahaaaaaaaa. Ha.

14.20 Uhr
Der Kleine ist der Meinung, eine Stunde Schlaf reicht völlig. Ich hole ihn aus dem Bett und koche ihm seinen verspäteten Mittagsbrei. Wenigstens lässt er sich zügig füttern. Die Große fragt, wann wir endlich Kaffee trinken – ich habe ihr nämlich einen Donut gekauft.

14.50 Uhr
Jetzt endlich kann ich mich an den Computer setzen. Die Dreijährige möchte am anderen PC spielen, ich erlaube es nicht. Ich überarbeite die Angebote, die Kleine kritzelt auf meinen Faxen. Dabei entdecke ich eines, das ich am Wochenende noch erledigen muss. Mist. Ich  stelle neue Bilder ein, sie heult jetzt, weil sie nicht spielen darf. Ich lade die Daten hoch, sie ist bockig und sagt, dass sie jetzt in ihr Zimmer geht.
Das hätte ihr mal vor einer halben Stunde einfallen sollen.

15.30 Uhr
Fertig. Mein Mann taucht aus den Tiefen des Bastelkellers auf und erklärt mir, dass der extra neu gekaufte Dynamo am Rad unserer Tochter (das sie am Donnerstag für eine Polizei-überwachte Echtverkehr-Übung braucht, dazu muss es natürlich verkehrssicher sein) nicht geht. Ich muss ihn also bis Mittwoch umtauschen.

15.35 Uhr
Ich gehe jetzt einen Kaffee trinken. Vielleicht hilft’s.
Als ich in die Küche komme, erhalte ich sofort die olfaktorische Meldung, dass mein Sohn eine frische Windel braucht. Gerade, als ich mich auf den Weg mache, klingelt es. Ich habe den Tiefkühlkost-Lieferer völlig vergessen. Schnell suche ich im Prospekt, was ich brauche.

16.00 Uhr
Endlich kann ich mit meinem Mann Kaffee trinken. Er überlegt, ob er heute noch losfährt und den Dynamo umtauscht. Die Große verputzt nach dem Donut auch noch die letzten Kekse, die Kleine schreit, weil sie keine mehr erwischt.

16.30 Uhr
Mein Mann verlässt mich. Um das Rad in Ordnung zu bringen. Ich bin ihm sehr dankbar, dass ich das nicht mit drei Kindern im Schlepptau erledigen muss. Ich setze mich wieder an den Computer, um besagtes Fax abzuarbeiten, die Kleine darf endlich den Fernseher bemühen.

18.00 Uhr
Mein Mann ruft an, um mir zu sagen, dass jetzt alles funktioniert und er auf dem Heimweg ist. Ich kümmere mich um’s Abendessen. Der restliche Tagesablauf hat dann keine Überraschungen mehr zu bieten: Essen, Quatsch machen, Zähne putzen, drei Schlafanzüge anziehen.

20.30 Uhr
Alles erledigt. Ach ja, die Wäsche liegt noch und die Küche ruft vergebens – ich mag heute nicht mehr.

Diese Gegebenheiten und die darin auftauchenden Personen sind NICHT frei erfunden. Eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen lebenden Personen bedauere ich zutiefst, kann ich aber auch nicht ändern.

Nov 062010
 

Gestern Abend arbeitete ich noch ein wenig am Computer in der Gewissheit, dass ich heute ausschlafen kann. Ich weiß, mit Kindern ist Ausschlafen relativ, aber zumindest gibt es keine Termine und keinen Wecker. Allerdings ergab sich (wieder einmal) alles anders, als gedacht:

23.30 Uhr
Ich schalte die Kiste aus und gehe ins Bett. Alle anderen schlafen schon.

1.30 Uhr
Der Kleine jammert. Ich stehe auf und gehe in sein Zimmer, um ihn zu stillen.

4.50 Uhr
Mein Mann steht auf, er muss heute arbeiten.

6.45 Uhr
Der Kleine rührt sich. Ich ignoriere ihn in der Hoffnung, dass er wieder einschläft. Er erhört meine Bitten.

7.10 Uhr
Meine große Tochter kommt ins Schlafzimmer und legt mir etwas auf’s Nachtkästchen.

7.45 Uhr
Meine kleine Tochter reißt die Tür auf. „Mama, darf ich Fernseh sauen?“ – „NEIN!“

8.30 Uhr
Das Telefon klingelt. Eine „Freundin“ der Ältesten entschuldigt sich (für einen Vorfall von vor zwei Wochen) und fragt, ob sie kommen kann (weil sie keinen anderen Dummen findet, der ihre Diktatur erträgt).

8.45 Uhr
Ich stehe auf. Ich habe wirklich lange durchgehalten und – wenn auch nicht geschlafen – die warme Bettdecke genossen.

9.00 Uhr
Ich komme vom Duschen, öffne den Rollo und sehe einen Zettel auf meinem Nachtkästchen. Es ist eine Einladung zum Übertrittsinformationsabend in der Schule. Am 28.10.2010.

9.05 Uhr
Ich erkläre meiner Tochter, dass das ein sehr wichtiger Termin gewesen wäre. Es hört sich etwas anders an, als ich es hier schreibe.

10.10 Uhr
Der Kleine schläft immer noch und die Großen hüpfen im Schlafanzug herum, ich muss endlich zum Einkaufen. Ich wecke den Langschläfer auf, ziehe alle an und verspreche ihnen eine Breze beim Bäcker, weil es sonst zu spät wird.

10.30 Uhr
Das Telefon klingelt wieder, die Freundin versucht noch einmal ihr Glück. Ich sage ihr, dass wir jetzt Einkaufen müssen und deshalb keiner da ist.

10.35 Uhr
Nach mehreren Drohungen, sie alleine zuhause zu lassen (und der Tatsache, dass sie einfach Hunger hat), zieht sich die Dreijährige endlich Schuhe und Jacke an und wir können tatsächlich fahren.

11.45 Uhr
Frühstück und Einkauf sind erledigt und wir steuern wieder nach Hause. Weil es auf dem Weg liegt und die Zeit gerade noch so reicht, schleppe ich die ganze Mannschaft zur Autowerkstatt und bestelle noch schnell Winterreifen.

12.00 Uhr
Wir sind wieder zuhause und ich verräume das Eingekaufte. Die Kinder bestehen auf einem zweiten Frühstück – sprich Mittagessen. Also kümmere ich mich darum, unter anderem auch, weil es mein erstes Frühstück ist.

12.45 Uhr
Mein Mann kommt von der Arbeit nach Hause und kümmert sich gleich um die Reste des Mittagsfrühstücks. Nach Essen und Aufräumen bringe ich den Kleinen ins Bett und helfe den Mädels, ihre Zimmer aufzuräumen, während ihr Papa weiter an einem Kaminschutzgitter bastelt.

14.00 Uhr
Geschafft. Die dreckige Wäsche und die unordentliche Küche müssen kurz warten, sonst vergesse ich alles. Also schnell den bisherigen Ablauf in die Tastatur gehackt. Wow, heute war ja echt viel los! Gerade kommt noch eine Mail rein, dass die wöchentliche Aktualisierung einer Website jetzt schon am Samstag erledigt werden soll. Dann weiß ich ja, was ich als nächstes mache…

… to be continued…

Okt 242010
 

Irgendwie ist das schon deprimierend – da steht einem das Tor zur Welt offen und man landet doch immer wieder in den Fängen des begrenzten Alltags. Angesichts der Tatsache, dass ich mit diesem Blog ja eigentlich endlich wieder meine Frontallappen bemühen wollte und sich hier aber in erster Linie das Kleinhirn zu Wort meldet, drängt sich mir langsam die Vermutung auf, dass es einfach kein Entrinnen gibt. Oder dass meine Frontallappen bereits abgestorben sind.

Was tut man also in so einer Situation? Ich versuche einfach einmal, Anregungen in anderen Blogs zu finden. Dummerweise weiß ich gar nicht, was ich suchen soll. In politischer und gesellschaftskritischer Hinsicht gehöre ich eher zu den (ganz) kleinen Leuchten, für Technik interessiere ich mich zu wenig und für Kunst und Literatur habe ich keine Zeit. Ich versuche es mal mit Psychologie und stoße lediglich auf Depressions-Selbsthilfegruppen und Personen, die auf 200 Seiten ihren momentanen Gemütszustand beschreiben. Also gut, wenigstens in der Sparte Werbung und Design sollte ich doch irgend etwas Interessantes finden – aber ich stelle erschreckenderweise fest, dass ich mich damit hier eigentlich gar nicht beschäftigen mag.
Mist.

Irgendwie lebe ich im Moment wohl doch in einem Paralleluniversum. Muss ich halt wieder was über den Familienalltag schreiben. Was ich so mit die Kinder machen tu.

Sep 262010
 

Gestern hat sich still und heimlich quasi über Nacht eine schwarze Wolke vor die Sonne meines letzten Posts geschoben und hinterhältig einen großen Regenschauer gestartet. Eigentlich war der Tag ja ganz toll, wir haben meiner (ungebundenen) Schwester beim Umzug in eine wunderschöne Wohnung (im Zentrum einer Großstadt) geholfen, die sie komplett neu (ohne Rücksicht auf Kinder) einrichtet, um dort ihre zwar nicht üppige, aber (Freizeit)  zu verbringen, wenn sie gerade nicht (ungestört) arbeiten muss oder (spontan) irgendwo anders hingeht. Wenn man jetzt den Inhalt der Klammern aneinanderreiht, entsteht in mir ein tiefes Gefühl der Sehnsucht.

Tatsächlich verläuft mein Leben anders, als ich mir das in meiner Schulzeit zusammengereimt habe: ich war mir ganz sicher, dass ich niemals heiraten, mein Leben lang von einem Ort zum anderen tingeln, ständig neue Menschen kennenlernen und immer mal wieder den Arbeitsplatz wechseln würde – wobei ich das nicht unbedingt als ausschließlich positiv empfand. Jetzt habe ich einen Mann, drei Kinder, ein Haus und bin selbständig – und sehe das absolut nicht negativ. Aber es gibt eben bei beiden Optionen sowohl Vor- als auch Nachteile und dummerweise vermisse ich aufgrund des gestrigen Tages gerade immens die Vorzüge des ausgeschlagenen Lebensweges (wann habe ich das letzte Mal ein Buch dann gelesen, wenn ich gerade Lust dazu hatte?),  was uns zum Thema bringt: Ist der Alltag wirklich ein Wurmloch, das in seinem Anfang endet? Beschert uns jeder Weg, den wir einschlagen, einen geschlossenen Knopf mehr am selbst geschneiderten Korsett? Oder ist jeder Lebensabschnitt eher so etwas wie ein Tunnel: man muss erst einmal durch, kann dann aber wieder jede beliebige Richtung einschlagen?

Ich glaube (langsam finde ich wieder zum Optimismus), letzteres kommt der Wahrheit am nächsten: es gibt immer wieder Punkte, an denen ein Kurswechsel möglich ist – wenn auch vielleicht nicht in vollem Umfang oder nur über ein paar Umleitungen. Man muss eben bis zu den Tunnelenden warten, wenn man nicht unnötig und mühsam ziemlich stabile Mauern einreißen möchte.
Also alles halb so schlimm, Bücher werden nicht schlecht (es sei denn, sie waren es bereits vorher) und die Kinder sind schneller groß, als man denkt. In 15 Jahren ziehe ich dann nächtelang um die Häuser – mit künstlicher Hüfte, Krückstock und Gebiss…

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