Nov 202013
 

Heute Morgen hat mich einer meiner Kunden angerufen, bei dem so gut wie gar nichts glatt gelaufen ist. Ständig bin ich in Verzug gekommen, mal waren die Kinder krank, mal hatte ich unaufschiebbare andere Termine und trotzdem war er immer freundlich und verständnisvoll. Heute also rief er mich an wegen ein paar Änderungen und meinte dann, dass ich ihm eine Rechnung schreiben soll. Ich antwortete ihm, dass ich eigentlich gar keine Rechnung schreiben dürfte, weil er ständig warten musste. Und dann sagte er Folgendes:

„Ach, ein Monat hin oder her ist doch völlig egal. Wie sagen die Afrikaner? Ihr Europäer habt die Uhr, wir haben die Zeit.“

Wow.
Ich verbleibe voller Bewunderung und Respekt und wünsche Ihnen allzeit Glück, Erfüllung und gute Geschäfte.

Jan 012012
 

Heute geht mein ganz spezieller Dank an Marianne, Andrea, Katja und DarkJohann:

Ihr seid wirklich spitze!

Weil ich bei meinem von euch gewünschten ekstatischen, famosen Rutsch mit hundertfachem Wunschrückfall direkt auf Janas Gewinnerliste zum Projekt zwölf2011 gelandet bin. Und auch, wenn mir das jetzt vermutlich keiner glaubt: das ist der erste – wirklich und wahrhaftig! – der erste Gewinn meines Lebens (mal abgesehen von überflüssigem Billigplunder für teuer gekaufte Jahrmarktslose).
Und außerdem ein wundervoller Beweis, dass man das zurückbekommt, was man in die Welt aussendet.

Vielen Dank euch allen und selbstverständlich auch all den Lesern und Wünschern, die nicht kommentiert haben.
Ich hoffe, dass ihr heute auch schon etwas von meinen aus ganzem Herzen kommenden Wünschen gespürt habt.

Und zum Schluss erfreue ich euch noch einfach so, weil es so schön ist, mit einem zwar verrauschtem, aber dafür endlich einmal scharfen Foto unserer alljährlichen Feuerzangenbowle.

Feuerzangenbowle

 

Nov 222011
 

Der Mensch sucht nach dem Ausgleich. Dem Ausgleich zwischen Familie und Karriere, Aktivität und Ruhe, Freiheit und Geborgenheit. Lauter Begriffe, die wahrscheinlich die wenigsten mit negativen Aspekten verbinden und demnach gerne vereinbaren wollen, die aber doch zwei entgegengesetzte Inhalte umschreiben.
Aber der Mensch nimmt genauso hin, dass es auch zwischen ganz anderen Gegensätzen einen Ausgleich geben muss: zwischen Glück und Unglück, Freude und Leid, Gut und Böse. Aber ist das wirklich so, will ich wirklich auch diese Gegensätze vereinbaren? Muss ich mich ständig zwischen Extremen hin- und herbewegen, das Negative in Kauf nehmen, um das Positive überhaupt spüren zu können? Ist das Ziel des Ausgleichs, weder Freude noch Trauer, weder Liebe noch Hass zu spüren und als lebloses, emotionsloses Neutrum zu vegetieren?

Meiner Meinung nach hat unsere Begriffsprägung uns gehörig auf den Holzweg geführt, da kein Mensch ein Leben ohne Liebe verbringen möchte und damit also ständig außerhalb des Ausgleichs, der Mitte leben müsste. Was uns sofort zu dem Trugschluss führt, dass man dann auch den Hass ertragen muss, um wieder einen Ausgleich zu finden. Eigentlich weiß der Mensch aber doch, dass Liebe nicht das Gegenteil von Hass ist und Liebe eben nicht dort aufhört, wo Hass anfängt. In jedem Hass steckt eine enttäuschte Liebe, heißt es. Wie sähe also ein Ausgleich zwischen den beiden Eigenschaften aus? Dass ich einen Menschen gleichzeitig hasse und liebe? Und damit zwei Extreme auslebe? Oder dass ich weder das eine noch das andere für ihn empfinde und ihm damit neutral gegenüberstehe? Ist das ein Zustand, den wir anstreben?

Viel bereichernder wäre es doch, immer glücklich, zufrieden, liebevoll zu sein. Aber gleich folgt der Einwand: Können wir Glück noch schätzen, wenn wir es immer haben? Muss man nicht auch einmal unglücklich sein, um überhaupt ein Gefühl für das Glücklichsein zu entwickeln?
Die Eigenschaft, Glück als solches empfinden zu können, hängt viel weniger von der Situation und Erfahrung als von der Einstellung ab. Der nörgelnde Vater zweier gesunder, aktiver Kinder, der über eine von seiner ihn liebenden Frau verursachte Schramme in seinem Auto jammert und sich über das ständige Unglück beschwert, das seine Kinder ihm bescheren, durchlebt seiner Meinung nach ständig Tiefen, denen einfach keine Höhen folgen. Der einsame Einsiedler auf der Alp, der aufgrund seiner unkomfortablen, entbehrungsreichen Lebensweise unser volles Mitleid sein Eigen nennen darf, hat jeden Morgen Tränen der Freude in den Augen, wenn er den Sonnenaufgang beobachtet.

Würde der Familienvater sich über den Sonnenaufgang genauso freuen? Bekäme der Einsiedler graue Haare wegen einem Lackschaden? Wer von den beiden hat denn nun mehr Glück? Oder ist Glück eben einfach Ansichtssache? Könnte der Familienvater sein Glück vielleicht genießen, wenn er nicht der Meinung wäre, es mit Unglück bezahlen zu müssen? Denn wer immer irgendeinen Schaden vorweisen kann, muss ja wohl – noch mehr – entlohnt werden, damit ein Ausgleich statt findet.

Vielleicht brauchen wir ein ganz anderes Konzept, um diesem Teufelskreis entrinnen zu können. Eigentlich liegt die Mitte nämlich gar nicht zwischen Glück und Unglück, die beiden Begriffe sind nur zwei Ausprägungen desselben Gedankens. Unglück entsteht immer dann, wenn wir zu wenig – oder zu viel Glück haben. Wenn wir das Gefühl haben, bevorzugt oder benachteiligt zu werden. Weil wir dann das Gefühl bekommen, weniger wert zu sein, nicht geachtet zu werden, und darüber unglücklich sind. Oder weil wir uns über die anderen erheben, einsam werden, und darüber unglücklich sind.
Aus dieser Sicht betrachtet liegt der Ausgleich im Glück. In dem Glück, das weder mir noch anderen schadet – und dabei kommt es auf gar keinen Fall auf die Menge an, sondern auf die Art, wie ich damit umgehe. Wie obiges Beispiel zeigen soll, kann man sich mit sehr wenigen Dingen sehr glücklich fühlen. Oder von anderen um ein erfülltes Leben beneidet werden, das man selbst als Qual empfindet.
Wie aber kann dann überhaupt ein Ausgleich stattfinden, wenn es keine einzige Richtlinie gibt?

Könnte unser Familienvater sein Glück fassen und es achten, würde er – natürlich weniger unglücklich sein, vor allem aber auch nicht mehr die Menschen vor den Kopf stoßen, die in weniger vorteilhaften Situationen leben und ihn als undankbar empfinden. Er hätte nicht mehr das Bedürfnis, Leid darzustellen, um zu beweisen, dass es einen Ausgleich zu seinem Glück gibt, wenn er sich von eben diesem Ausgleichsgedanken lösen könnte. Und in dem Moment, in dem er aufhört, sich selbst zu schaden, hört er gleichzeitig auf, anderen zu schaden und findet seinen Ausgleich, seine Mitte – im Glück. Und keiner nimmt es ihm übel.

Vielleicht hört sich das für viele ganz schön abgedreht an. Vielleicht sind das alles auch nur theoretische Hirngespinste.

Für mich ist es eine neue Lebenseinstellung. Denn ich darf glücklich sein, ohne dafür büßen zu müssen.

Nov 262010
 

Mögen mir alle Mathematiker die lachse Auslegung des Begriffes verzeihen, aber ich habe das Gefühl, dass die unendlich vielen Stunden, die man glaubt, vor Weihnachten zur Verfügung zu haben, auf  Null abgebildet werden.
Diese Woche mache ich noch dies und das und jenes – pft, gar nichts mache ich, NULL Zeit.
Na gut, es ist ja jetzt nicht so, als wäre das etwas Neues, aber speziell jetzt, wenn die Tage kürzer und die „To do“-Listen länger werden, kann einen schon der Mut verlassen beim Anblick der vielen Pflichten, die man in die wenigen Tage quetschen muss.

Dabei gibt es so viel Schönes in der Vorweihnachtszeit:
Mit den Kindern im Wald (mit etwas Glück im Schnee) spazieren gehen, die Große Kekse in Schokolade tauchen lassen, der Kleinen ein Versteck aus Wohnzimmersesseln und Wolldecken bauen. Die Wohnung dekorieren und sich über ein gefühlvolles „Ist das sön (schön), Mama!“ freuen. Ein Bild malen. Kerzen anzünden. Und endlich wieder einen Artikel schreiben. Das ist echter Luxus.

Nov 202010
 

All die kinderlosen Menschen haben ja gar keine Ahnung, auf welche Sinnes-Reize sie verzichten müssen, sie würden es nicht für möglich halten, welche Erfahrungen man mit dem Nachwuchs erleben darf. Alleine schon die verschiedenen Arten, Schmutz wahrzunehmen:
Wenn die Große mit den Spielplatzstiefeln nach oben läuft, um etwas aus ihrem Zimmer zu holen, hinterlässt sie Schmutz, den man deutlich sehen kann. Hat der Kleine dagegen die Windeln voll, ist das momentan optisch nicht wahrnehmbar, dafür kann man es sehr gut riechen. Und wenn ich nach dem Frühstück unter dem Tisch sauge, finde ich Schmutz, den man nicht riechen, kaum sehen, aber dafür hören kann. Fühlen kann man Schmutz natürlich auch und besonders unterhaltsam gestaltet sich das in Form von Waschtag-Hosentaschen-Raten:
„Du glaubst nicht, was heute in ihrer Hosentasche war.“ – „Hat es sich bewegt?“ – „Nein.“ – „War es weich?“ – „Ja.“ – „War es glitschig?“ …

Allerdings können die Sinne auch trügen:
Wenn wir uns im Dunkeln nach oben ins Bett schleichen, zum Beispiel. Ich höre ein Scheppern und flüstere: „Dem Klang nach war es der Spielzeugbagger.“ Und mein Mann flüstert, etwas gequält: „Dem Schmerz nach war es ein echter Bagger!“
Neulich rief mein Mann vom Flur ins Wohnzimmer: „Pfui Teufel, ich bin auf eine Nacktschnecke getreten!“ Ich lächle mild. Der Ahnungslose, ihm fehlt einfach die Übung. Das war sicher ein Stück Banane. Nein, die Konsistenz stimmt nicht ganz, ein eingespeicheltes Stück Breze. Genau.
Ich hole Besen, Schaufel und Lappen und eile ihm zu Hilfe. Und, was soll ich sagen, es war tatsächlich eine Nacktschnecke.
Na ja, keiner ist vollkommen.

Okt 252010
 

Heute hat die Zeit begonnen, in der sich viele Menschen beschweren, dass sie bei Dunkelheit das Haus verlassen müssen und auch erst bei Dunkelheit wieder zurückkehren. Den meisten schlägt es auf’s Gemüt, ich fühle mich jetzt besonders wohl.
Ich genieße diese Momente, wenn die Große schon aus dem Haus ist, die Kleinen noch schlafen, ich am Computer sitze und draußen der Tag noch nicht angefangen hat – nur meine Geräusche in der Stille, während die Natur noch schläft, durch das Fenster dringen keine Eindrücke herein, ich kann mich ganz auf mich selbst konzentrieren und die Zeit steht still. Diese halbe Stunde vor der Dämmerung gehört alleine mir.
Und dann graut der Morgen, es kommt Leben in die Welt, von oben dringt ein „Mama“ herunter und die Energie, die mich umgeben hat, fließt durch die Fenster zum Licht hin.

Okt 132010
 

Und das ist jetzt ganz ernst gemeint! Ich bin ja einer der glücklichen Menschen, die in gewisser Weise das Hobby zum Beruf machen konnten, deshalb bin ich auch trotz den drei Kindern und gelegentlichen Erschöpfungszuständen immer noch aktiv. Heute war wieder ein besonders schöner Tag für mich, da ich nicht zuhause vor dem Computer saß, sondern eine Schulung halten und einige besonders verstaubte graue Zellen mal wieder Gassi führen durfte, während die Kinder ihre Oma auf Trab hielten. Ob ihr es glaubt, oder nicht – das ist für mich wie Urlaub.

Okt 112010
 

Wer Kinder hat, weiß: es gibt Phasen, da fließt alles relativ ruhig dahin, dann wieder sprudelt es nur so aus ihnen heraus, sowohl positiv als auch negativ. Im Moment explodieren unsere Kinder wieder förmlich. Der Nachteil ist, dass sie unglaublich viel streiten und schreien, der Vorteil, dass wir selten so gelacht haben oder auch so verblüfft waren. Unsere Dreijährige kugelt sich momentan jeden Abend vor Lachen (ich auch), wenn sie mir ihr Buch vorliest: „Ich bin ein Eidechse und hab ein schuppide Haut.“ Dann kommt : „Ich bin der Fin.“ – „Der DELfin.“ – „Ich bin Delfin.“ O.K., auch recht. Nicht mehr halten können wir uns spätestens auf der letzten Seite: „Ich bin die Koalabär. Mein Fell ist musiweich.“
Sie ist auch immer noch sehr rücksichtsvoll und entschuldigt sich z.B., wenn sie ihr Spielzeug fallen lässt, auch noch vom Nebenraum aus. Dafür meinte sie heute, als sie ihrem Bruder einen Keks zuschob, und wir einwandten, er habe ja noch einen: „Ach so – is wuuscht.“

Unser Kleiner (10 Monate) ist inzwischen schwer auf Achse: mal abgesehen davon, dass er die Schiebetüren des Sideboards aufmacht, um Porzellantassen auszuräumen (und zu schrotten) hat er jetzt etwas sehr Praktisches entdeckt: er benutzt die Barhocker in der gefliesten Küche als Roll – nein Schiebator (der Geräuschpegel entspricht ungefähr dem eines startenden Düsenjets). Wenn er nicht gerade 10g Keks zu 100g wabbeliger Schmiere aufweicht und im ganzen Untergeschoß verteilt.
Ich glaube, die wundersame Brotvermehrung haben Babys erfunden.

Sep 222010
 

Ich sitze in meinem Büro vor dem geöffneten Fenster, die Sonne scheint, die beiden Mädchen sind auf dem Spielplatz, der Kleine schläft, es ist unglaublich ruhig im Haus und ich fühle mich einfach gut. Und während der PC 150MB Daten auf meinen Webspace schaufelt, habe ich tatsächlich endlich einmal wieder Zeit und Muße, parallel auf dem Laptop meinen Blog zu pflegen – was auch bitter nötig ist, wenn ich mir das Datum des letzten Eintrags ansehe…

Es ist wieder einiges passiert in der letzten Zeit:
Sollte sich tatsächlich einmal jemand für das Thema Au-Pair interessieren – meine Beiträge hierzu sind ab sofort beendet. Nachdem es mit unserem Wunsch-Au-Pair nicht geklappt hat, habe ich beschlossen, mir einfach eine Haushaltshilfe zu suchen.
Die Probleme mit unseren Nachbarn haben sich mehr oder weniger in Wohlgefallen aufgelöst, der Carport wird gebaut, die Kinder spielen wieder miteinander.
Und unser Essensverweigerer hat sich jetzt tatsächlich langsam an seinen Brei gewöhnt.
Ich bräuchte zwar immer noch einen Klon, um tatsächlich alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe, aber abgesehen davon läuft alles rund – und bis Weihnachten bin ich mit Sicherheit ein Meister des Glücklichseins.

Sep 052010
 

Mein Beruf verlangt ein gewisses Maß an Offenheit und Flexibilität und zwingt mich mitunter, mich mit Dingen zu beschäftigen, denen ich sonst aus dem Weg gehen würde. Manches ist kurios, manches langweilig, doch das Meiste hilft mir letztendlich, Vorurteile hinter mir zu lassen und meinen Horizont zu erweitern.
Tatsächlich bin ich inzwischen der Meinung, dass es – egal, welcher Beruf – nicht auf die Tätigkeit, sondern ausschließlich auf den Tätigen ankommt, wie seriös, glaubwürdig, zielgerichtet oder erfolgreich etwas ausgeübt wird und dass wir an einem Großteil dessen, was uns widerfährt – Glück oder Unglück – schlichtweg selbst schuld sind. Ich habe Kunden, bei denen auch das durchdachteste Marketingkonzept keinen Erfolg bringt, während andere sich trotz nicht vorhandener Werbung vor Aufträgen kaum retten können. Das ist kein Schicksal und keine Hexerei, sondern die Ausstrahlung der Person: man hat bei erfolgreichen Menschen das Gefühl, dass sie völlig mit sich im Reinen sind, während die andere Sparte immer etwas zu Nörgeln hat. Ist ja auch logisch, denkt man sich da, dem Einen geht es ja schließlich gut und dem Anderen nicht – aber nein! Glücklich sein muss man tatsächlich trainieren und wie beim Laufen muss man mit kurzen Strecken anfangen und sich stetig steigern. Irgendwann schafft man dann einen Marathon, aber nur, wenn man täglich übt, egal ob es regnet oder die Sonne scheint. Also werde ich ab heute glücklich sein, weil ich gesund bin. Und Arbeit habe. Und einen tollen Mann. Und drei süße Kinder. Und ein eigenes Haus. Und ein Auto. Und einen Garten. Mann, habe ich Glück!

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