Jan 102012
 

Heute ist es schon zum zehnten Mal Zeit für ein neues Bücher-Motto und ich muss wieder zwei Themen auf Eis legen und auf eine weniger aktivitätsgefüllte Zeit vertagen. Oder sein lassen, je nachdem, was noch so kommt.
Egal, jetzt gibt es auf jeden Fall folgendes Auswahlkriterium:

Schließe die Augen und nimm irgendein Buch aus dem Regal.
Alternativ nimm einen Stift, Block und mindestens einen Würfel (6-seitig). Bestimme die Anzahl deiner Regalböden (Doppelreihig zählt als je Reihe ein Boden), wenn du zu den Bibliophilen mit wenig Platz gehörst, jeder Karton im Keller oder Dachboden etc. zählt auch als ein Boden. Würfle jetzt für jeden Boden 2 mal und notiere die Werte als Wert 1 und Wert 2. Würfle je einmal für jeden Boden, bei 1-2 streiche Wert 2 durch, bei 3-4 streiche Wert 1 Durch, bei 5-6 lasse beide stehen. Addiere nun alle Werte, die nicht durchgestrichen wurden. Nimm den Würfel nochmals, bei ungeraden Zahlen zähle die Bücher ab dem ersten Boden, bei geraden rückwärts ab dem letzten Boden. Das letzte mal Würfeln bestimmt, wie viele Böden du noch überspringen darfst/musst, bevor das Zählen beginnt (Zählweise der Böden, wie bei den Büchern) .

Ich habe – natürlich – das Würfeldingens gewählt, habe dies aber meinen völlig unvoreingenommenen Sohn durchführen lassen und das Ergebnis „Dei“ erhalten. Nun, Buch Drei in meinem Regal war

Die Täuschung

von Caleb Carr

Auch dieses Buch ist wieder ein Grabbelkisten-Exemplar, bei dem mich der Klappentext überzeugt hat. Ich kann es zwar nicht uneingeschränkt empfehlen, da es ein paar Schwächen hat – trotzdem fand ich es faszinierend und in seinem Bezug zur gegenwärtigen Situation auch schockierend. Wer sich mit den negativen Seiten der Internet-Datenflut und der entstehenden Eigendynamik auseinandersetzen möchte, findet hier einige Ansatzpunkte. Interessant ist dabei auch die Tatsache, dass es vor dem 11. September, nämlich im Jahr 2000 erschienen ist.
Inzwischen weiß ich, dass es als Fortsetzungsroman entstand, das erklärt die gelegentlichen überzeichneten Passagen, insgesamt ist es aber spannend und unterhaltsam. Einordnen würde ich es irgendwo zwischen technikverliebtem Science Fiction und Psycho-Thriller:

Im Jahr 2026 steht die Welt am Abgrund – vergiftete Meere, zerstörte Natur, Konflikte und Seuchen sind Fakt, werden aber von der Menschheit durch im großen Stil angelegte Informationsmanipulation nicht wahrgenommen. Während die Welt gebannt vor dem Bildschirm sitzt, gelangt der Kriminalpsychologe Dr. Gideon Wolfe in Besitz einer Diskette, die erschreckende Tatsachen über die Ermordung der amerikanischen Präsidentin ans Licht bringt. Seine diesbezüglichen Nachforschungen führen ihn zu einer Gruppe von Wissenschaftlern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Menschen mit sorgfältigen Fälschungen auf die Unzuverlässigkeit und Manipulierbarkeit der Massenmedien aufmerksam zu machen. Bald stellt sich jedoch die Erkenntnis ein, dass es nicht unbedingt sinnvoll ist, Feuer mit Feuer zu bekämpfen…

Die gesammelten Beiträge zum Projekt „52 Bücher“ gibt es hier.

 

Dez 202011
 

Dieses Mal lautet das Motto von Fellmonsterchens Projekt

Kochbücher (bzw. Handbücher)

Und natürlich kann ich dazu etwas beitragen und zwar einen tollen Wälzer, der gleich in beide Sparten passt!

Bayerisches Kochbuch

von Maria Hofmann, Oberregierungs-Landwirtschaftsrätin a.D. und Dr. med. Helmut Lydtin, apl. Professor für innere Medizin.

Ich finde ja, alleine die Nennung der Autoren berechtigt schon die Auswahl, aber der Schinken hat noch mehr zu bieten: z.B. ein ausführliches Kapitel über Krankenkost und Schonkost, spezielle Diäten für verschiedenste Erkrankungen sowie eine Abmagerungsdiät und zugehörige Nährwerttabellen. Ach ja, Rezepte sind natürlich auch vorhanden. ;-)

Ich besitze das gute Stück, ein Geschenk meiner Schwiegermutter, in der 54. Auflage (1992). Zum ersten Mal erschienen ist es wohl Ende der 30er Jahre. Aber wer jetzt glaubt, dass ich das Ding nur ulkig finde, der täuscht sich gewaltig, denn es ist so ziemlich das einzige Kochbuch, das ich tatsächlich benutze!
Man findet darin eigentlich alles und das in seiner ursprünglichen Reinform, ein tolles Buch, um sich sozusagen das solide Kochhandwerk anzueignen und dann selbst variieren zu können. Und natürlich bestens geeignet für Tütensuppen-Phobiker, Rezepte mit Fertigprodukten sucht man hier nämlich vergebens.

Alle Beiträge zum Projekt „52 Bücher“ gibt es hier.

Dez 122011
 

Nachdem ich auch bei Fellmonsterchens Projekt ziemlich lange pausiert habe, springe ich mal eben von Thema 2 (ich werde 3 bis 5 evtl. bei Gelegenheit nachholen) auf Thema 6, das da lautet:

Magisches (bzw. Magie)

In dieser Sparte könnte ich wahrscheinlich tagelang Rezensionen schreiben, aber die Entscheidung fiel dann doch relativ schnell auf eine ganz besondere Trilogie, die sich nicht nur mit Magie beschäftigt, sondern mich auch noch magisch in ihren Bann gezogen hat:

Erdzauber

von Patricia McKillip

Im Vergleich zu anderen Fantasy-Romanen ist die Erdzauber-Trilogie eher zurückhaltend und zart. Sie verzichtet auf Action-Spektakel, blutiges Gemetzel oder erotische Ausführungen zu Gunsten einer poetisch erzählten, berührenden Geschichte voller Wunder und unerwarteter Wendungen.

Morgon, der Herrscher der Insel Hed, ist glücklich mit seinem bäuerlichen Leben und hegt keinen Wunsch nach Veränderung. Doch ein Sternenmal auf seiner Stirn führt dazu, dass er sein Leben überdenken und sich den unliebsamen Veränderungen seiner Umgebung stellen muss. Plötzlich sieht er sich mit Problemen konfrontiert, die seinen Horizont sprengen und verstrickt sich immer mehr in Gefahren und Intrigen, ohne wirklich zu wissen, wohin seine Bestimmung ihn führt und wem er vertrauen kann…

Dieser Roman steckt voller Magie, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Die vielseits kritisierte Verwirrung durch zahlreiche Personen und unverständliche Dialoge (ist mir übrigens gar nicht so aufgefallen) sehe ich nicht als Defizit, sondern als Stilmittel, um noch mehr in den Charakter Morgon eintauchen zu können, der sich aus für ihn unersichtlichen Gründen völlig neu erfinden muss. Für Leser, die temporeiche, spannungsgeladene Geschichten in klarer Sprache bevorzugen, ist der Roman wahrscheinlich nicht unbedingt empfehlenswert, aber alle, die gerne in Bildern schwelgen und ein Herz für Antihelden haben, kommen hier mehr als auf ihre Kosten. Ich habe ihn auf jeden Fall verschlungen und geliebt.

UPDATE:
Falls jemand die Trilogie lesen möchte, unbedingt die Erstübersetzung (erschienen 1981) besorgen, denn die neuere Version ist laut Rezensionen wohl ziemlich misslungen!

P.S.: Alle Beiträge zum Projekt „52 Bücher“ findet ihr übrigens auch nach Themen sortiert in dieser superschicken, übersichtlichen Tabelle von Fellmonsterchen!

Nov 122011
 

Und schon sind wir in Woche 2 von Fellmonsterchens Projekt und dieses Mal lautet das Motto:

Psssst: jetzt kommt ein Geheimnis!
(Den Karneval- bzw. Faschingsbonus lasse ich mal aus, ist nicht so mein Ding…)

Spontan fiel mir beim Thema Geheimnis nicht ein Buch, sondern ein Autor ein: Ken Follett. Ich habe schon einige Bücher von ihm gelesen und eines hatten interessanterweise alle gemeinsam: die tragischen Auswirkungen eines zu lange gehüteten Geheimnisses. Am besten gefallen hat mir „Der dritte Zwilling“, weil mir aktuelle Themen mehr liegen als die historischen Schauplätze der anderen Romane.

Da aber sicher die meisten von Euch die Bücher bzw. deren Verfilmungen schon kennen, stelle ich ein (vermutlich?) nicht ganz so bekanntes Exemplar vor, das fast noch besser zum Motto passt:

Der Reinfall

von Carl Hiaasen

Diese mit einem Augenzwinkern erzählte Geschichte steckt so voller Ironie und trockenem Humor, dass man die bissige Kritik fast übersehen könnte und sich hin- und hergerissen fühlt zwischen schamloser Freude und Mitleid angesichts der Katastrophen, die über den Übeltäter hereinbrechen…

Die Hauptperson, Joey Perrone, ist glücklich verheiratet. Denkt sie. Denn auf der Kreuzfahrt anlässlich ihres zweiten Hochzeitstages wird sie eines besseren belehrt: ihr Mann Chaz wirft sie kurzerhand über Bord – nicht etwa wegen ihres Reichtums, vielmehr befürchtet er, sie könnte seinen krummen Touren auf die Schliche kommen. Heilfroh, die potentielle Zeugin beseitigt zu haben, kehrt Chaz in sein Leben zurück und wird dort so gar nicht mehr froh: (Pssst: jetzt kommt ein Geheimnis!) dummerweise hat Joey nämlich den Sturz überlebt und beschlossen, ihren Mann mit Hilfe ihres Retters Mick Stranahan als Tote heimzusuchen. Dadurch leidet nicht nur Chaz’s Nervenkostüm, sondern auch sein Auftraggeber verliert allmählich die Geduld mit dem nicht mehr ganz zurechnungsfähigen Komplizen…

Diese Buch war genau mein Fall und wer wie ich schwarzen Humor liebt und Gefallen an schrulligen Figuren findet, ist mit diesem Roman an der richtigen Adresse. Manchmal schrammt es zwar hart an der Grenze des guten Geschmacks, aber wen stört das schon… ;-)

Nov 082011
 

„Was macht sie denn nur?“ werden jetzt alle fragen, die mein Zeitnot-Gejammer kennen, „schon wieder ein Projekt?“ Und sie haben nicht Unrecht!
Aber ich liebe nunmal Bücher und freue mich über jeden neuen Impuls – und bei 40 Teilnehmern gibt es mit Sicherheit viele davon. Außerdem ist es glücklicherweise auch nicht notwendig, jede Woche extra eines zu lesen, aber ich war ja mal mit etwas mehr Freizeit gesegnet und einige Wälzer sind zumindest grob noch irgendwo in meinem Hirn abgespeichert. Und Fellmonsterchens erstes Projekt-Thema kommt mir auch noch total entgegen:

„Das Buch, das Du zurzeit liest.“

Das bedeutet, es muss noch nicht fertiggelesen sein (dass es schon seit Wochen angelesen rumliegt, interessiert ja keinen) und mein Hirn muss (noch) keine Interpretations-Verknüpfungs-Besprechungs-Höchstleistungen bringen…
Aber zur Sache. Ich lese gerade:

Tristopolis – Dunkles Blut

von John Meaney

Ich oute mich hier gleich mal als Grabbelkisten-Mängelexemplar-Wühler, weil man mit drei Kindern im Schlepptau nicht gepflegt und überlegt in einem Buchladen ein passendes Buch suchen kann und diese im Vorbeigehen eingepackten Billigteile nicht so große Schmerzen im Geldbeutel verursachen, wenn sie sich als Fehlgriff entpuppen. Außerdem habe ich dort auch schon so manche Perle gefunden, meistens Fortsetzungen oder einen Teil einer Trilogie oder ähnliches, die ich bei Gefallen dann eben vervollständige.
Auch der Tristopolis-Roman ist eine Fortsetzung und ich werde mir den ersten Teil höchstwahrscheinlich schon wegen dem unglaublich skurrilen Ambiente der Geschichte zulegen, die irgendwo zwischen Fantasy, Science Fiction und Thriller anzusiedeln ist.
Hier ein kurzer Einblick ins erste Drittel:

In einer Welt, in der Menschen nach ihrem Tod durchaus auch mal als Zombies oder Wiedergänger zurückkehren und dann mit Randgruppenproblemen zu kämpfen haben, während weniger Betuchte ihre sterblichen – oder doch gar nicht so toten – Überreste der Energieerzeugung opfern müssen, sind auch lebende Möbel, Todeswölfe oder Aufzug-, Stachel- und Spürgeister nichts weiter als nebensächliche Alltagserscheinungen. Mitten in dieser schrägen und eher trostlosen Umgebung lebt die Hauptperson der Geschichte, der Polizei-Inspektor Donal Riordan, der neben seinem Sinn für Recht und Ordnung auch von Rachegelüsten gelenkt wird, die dem Mörder seiner Freundin Laura gelten. Während seiner diesbezüglichen Aktionen stößt er eher zufällig auf eine groß angelegte Manipulation der Bevölkerung. Selbst Besitzer eines Zombieherzens, verdankt er diesem Umstand die Immunität gegenüber dieser Verschwörung, deren Urheber und Ziel mir auf Seite 201 noch völlig schleierhaft sind – und genau das verursacht bei mir gerade Haarausfall, weil ich einfach nicht dazu komme, weiterzulesen…

Dieses Buch, an dem sich vermutlich die Geister scheiden (muahaha, welch Wortwitz) ist absolut lesenswert, allein schon wegen der wahnwitzigen Kreativität des Autors und den vielen schillernd gezeichneten Figuren. Es steckt voller Überraschungen und spannend ist es auch noch – vielleicht sperre ich mich ja einfach mal ein paar Stunden im Bad ein. Aber mit Oropax. ;-)

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