Nov 142012
 

Heute war es endlich so weit: mein erstes bestelltes Portrait aus dem Atelier wechselte den Besitzer – was für ein tolles Gefühl!
Nach zwei „Aufwärmbildern“ mit Graphit und Ölkreiden, bei denen ich festgestellt habe, dass ich ganz schön eingerostet war, entstand das Endergebnis mit Künstlerfarbstiften für die gewünschte zurückhaltende Farbgebung (die es ziemlich erschwerte, das Bild ordentlich abzufotografieren).
Vorgestern habe ich noch Fotokarton für das Passepartout besorgt und ihn so richtig nach alter Schule zugeschnitten, damit das Ganze auch ordentlich aussieht und in einen Standardrahmen passt.
Jetzt muss das gute Stück bei der Auftraggeberin noch auf den Weihnachtsabend warten, bevor es vom Beschenkten betrachtet werden darf, aber hier darf es sich mit hochoffizieller Erlaubnis jetzt schon zeigen.

Hach, die Malerei hat echt Suchtpotential.
Braucht jemand ein Portrait?

Nov 132012
 

Heute beim Aufräumen ist mir der Drache in die Hände gefallen, den ich vor ein paar Monaten für meine Mittlere gehäkelt habe und weil ich schon ewig kein „Werk der Woche“ mehr gepostet habe (und ich das Ganze inzwischen „Werk des Jahres“ nennen könnte), habe ich schnell ein Foto gemacht, um den kleinen Kerl hier zu zeigen. Außerdem passt stricken und häkeln einfach wunderbar zu Herbst, Abend und Sofa und geht auch dann, wenn alles andere schon viel zu anstrengend ist.

Die Geschichte

Ende Juli habe ich in jugendlichem Leichtsinn meiner Mittleren versprochen, ihr diesen kleinen Drachen zu häkeln, den ich im Internet aufgestöbert habe. Natürlich musste ich postwendend ein passendes Garn suchen und sofort mit dem Tierchen anfangen, um dann sekündlich mit Fragen wie „Wann machst Du den Schwanz?“, „Wann ist der Flügel endlich fertig?“ oder „Wieso hast Du erst zwei Füße?“ genervt zu werden. Also investierte ich jede freie Abendminute in diverse Körperteile, damit Töchterchen beruhigt ins Bett gehen konnte – und es waren einige Abende und einige Minuten.

Die Anleitung

Wer also ein drachenliebendes kleines oder großes Kind kennt oder einfach nur so viel Freizeit hat, dass er sie beim besten Willen nicht füllen kann, findet die Anleitung für das Kuscheltier hier:

Fierce little dragon

Ein bisschen länger herumprobiert habe ich bei den Zacken und den Ohren, weil sie nicht dem normalen Häkelablauf entsprechen – das ist der Nachteil, wenn abends schon das halbe Hirn schläft. Im Großen und Ganzen ist es aber relativ einfach nachzumachen. Und wenn man wie ich immer ein paar übrige Wollknäuel, Füllwatte-Reste und Knöpfe zuhause hat, kann man sofort loslegen und kommt dann irgendwann in etwa zu so einem Ergebnis:

Nov 102012
 

Und, was habt ihr so gemacht am 10.11.12 um 13:14 Uhr (und 15 Sekunden)?

Also ICH habe das erste Mal seit meiner Schulzeit (!) wieder ein Auftragsportrait fertiggestellt. JUHUUUUUUU!!
Unfassbar, dass es tatsächlich schon mindestens 16 Jahre her ist, dass ich ein Bild verkauft habe…

Aber heute möchte ich erst einmal erzählen, wie es dazu kam.

Seit der Geburt meiner zweiten Tochter beschränkten sich meine künstlerischen Tätigkeiten auf die für meine Arbeit benötigten Skribbles und schnelle Illustrationen. Für andere Werke hatte ich weder Zeit noch Muße noch den nötigen (vor Kinderhänden geschützten) Raum. Und so träumte ich Jahr für Jahr von einer fernen Zeit, in der ich ich die Möglichkeit, die Nerven und das nötige Kleingeld hätte, um mir irgendwo ein kleines Atelier zu ermöglichen, bis ich selbst schon nicht mehr daran glaubte, dass diese Zeit noch kommen würde.
Doch dann ergab es sich, dass meine Schwester genug Freizeit hatte, um mir dabei zu helfen, eine große Idee zu verwirklichen – und ich gebe offen zu, dass ich alleine weder die Motivation noch die Energie und die Kraft gehabt hätte, das durchzuziehen. Sie half mir nämlich, unseren seit dem Hausbau vollgestopften Speicher zu entrümpeln, aufzuräumen und einen Teil davon in ein Atelier zu verwandeln.

Wir haben unzählige Kartons zerkleinert, alte Geräte entsorgt, Kindersachen aufgeräumt. Steinwoll-Reste verpackt, Bauholz umgeschlichtet, Fliesen und Dachtaschen nach unten geschleppt. Baustützen und 40kg schwere Feinputz-Säcke die Einschubtreppe nach unten gewuchtet (ja, wir sind stark!). Wir haben versucht, die Steinwoll-Fasern mit dem Staubsauger zu bekämpfen, aber sie waren sehr, sehr lange ausdauernder. Den ganzen Krempel, der weiterhin im Speicher lagern muss, in einer Hälfte des Raums gestapelt. Ich habe zwei Anhänger voll Kram zum Bauhof gefahren. Dann konnten wir endlich die Unmengen von gelagerten Bastel- und Malutensilien nach oben schleppen. Drei Stockwerke. Ich habe mir ein paar Dekogegenstände und einen kleinen Teppich gegönnt und das alte Bett unserer Ältesten wieder aufgebaut. Und dann am 25. September war es endlich so weit:

Ich vermisse weder den Putz an der Wand, noch den Bodenbelag und die silberne Dampfsperre an den Decken sorgt für eine wundervolle indirekte Beleuchtung, wenn man einen Baustrahler nach oben richtet. Im Winter wird mit Fleecejacke gemalt und im Sommer kommt unser alter Ventilator endlich wieder zum Einsatz – oder ein Aktmodell ;).
Ich bin einfach nur begeistert, über das, was wir geleistet haben und über die Möglichkeiten, die ich jetzt wieder habe.

Am folgenden Tag wurde das Atelier dann mit einem ersten Werk eingeweiht, wie es schöner nicht hätte sein können: einem Geschenk zur standesamtlichen Trauung der besten Freundin meiner Schwester. Einen Pinsel habe ich zwar noch nicht geschwungen, aber dafür einen Keramikstift:

Und die Teller konnten völlig ungestört trocknen, während ich sie beruhigt alleine ließ, weil meine Kinder die Einschubtreppe nicht alleine aufbekommen.

Wow.
Ich kann endlich wieder malen.

Nov 082012
 

So schnell kann es gehen – kaum wagt man sich in eine andere Richtung, schon ist man nicht mehr zurechnungsfähig, hat den Überblick verloren.
Sagt wer? Der, der den Überblick hat?
Jeder, der behauptet, irgendetwas objektiv sehen zu können, stellt doch schon in diesem Moment wieder eine subjektive Sicht dar – es sei denn, der Rest der Welt ist geschlossen seiner Meinung. Irgendwie ist es ja auch völlig sinnlos, an die Möglichkeit menschlicher Objektivität zu glauben, wenn es schon allein aufgrund der genetischen Voraussetzungen keine einheitliche Grundlage gibt. Und dann kommen noch die Faktoren Erziehung, Prägung, Erfahrung dazu. Geschlecht. Nationalität. Sozialstatus. Eine endlose Liste.

Kann man denn überhaupt eine freie, objektive Entscheidung treffen? Eine allgemeingültige, meinungsfreie Richtlinie erstellen? Ich behaupte, nein. Sie wird immer von persönlichen Neigungen beeinflusst sein, die uns vielleicht oder wohl eher ziemlich sicher nicht einmal bewusst sind. Von vielen kleinen Bausteinen unserer Existenz, die uns und unsere Persönlichkeit erst ausmachen. Und aus dieser Sicht wäre es schon fast Selbstverrat, eine absolute Objektivität anzustreben.

Warum glauben dann trotzdem so viele Menschen, sie seien objektiv, könnten anderen den „richtigen“ Weg zeigen? Sicher, manche Menschen sind tatsächlich dazu fähig, eine Situation mit einem weiteren Blickwinkel zu betrachten, als andere. Aber deswegen den Besitz des 360°-Rundumblicks für sich zu beanspruchen, finde ich etwas anmaßend, denn dazu ist wohl kein Mensch auf dieser Erde im Stande. Vielmehr ist es doch so, dass wenn wir bei Differenzen von unserem Gegenüber Objektivität verlangen, wir eigentlich die Entscheidung erwarten, unsere subjektive Meinung höher zu werten als die eigene. Vielleicht sollten wir uns in so einer Situation vor Augen führen, dass es eher selten vorkommt, dass Menschen eine Überzeugung vertreten, von der sie wissen, dass sie falsch ist. Jeder Mensch hat seine eigene Sicht der Dinge, die für ihn persönlich auch der Wahrheit entspricht – aus verschiedensten Gründen. Objektiv ist sie sicher nicht, kann sie auch gar nicht sein. Nicht, solange man nicht alles kennt, alles weiß und alles erklären kann.

Und zwar aus der Perspektive seines Gegenübers. Denn erst dann hat man verstanden, dass es unzählige parallele Wahrheiten gibt und jede davon eine eigene Betrachtungsweise erfordert, um sie zu verstehen. Objektivität bedeutet in diesem Zusammenhang also, in alle subjektiven Sichtweisen eintauchen zu können und eben nicht nur eine davon, die eigene,  zuzulassen. Wie diese einzelnen Betrachtungen dann letztendlich gewertet werden, steht auf einem anderen (subjektiven) Blatt.

Und für alle, die der Meinung sind, dass Dinge nur richtig sind, wenn es eine beweisende Studie oder eine Mehrheit dazu gibt, habe ich noch einen Denkanstoß:

Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.

André Gide

%d Bloggern gefällt das: