Dez 302010
 

Wie schnell doch die Zeit vergeht: noch einmal schlafen und es ist wieder Zeit für gute Vorsätze, neue Ziele und die Verabschiedung schlechter Angewohnheiten. Ein bisschen Krach, ein Gläschen Sekt und schon ist man ein anderer Mensch – am 1.1. hört man auf, zu rauchen, startet eine Diät, macht mehr Sport, schiebt seine Arbeit nicht mehr auf und nimmt sich mehr Zeit für seine Kinder.
Kein Wunder, dass die meisten sich diese Vorsätze erst einmal schön saufen müssen und den ersten Januar erinnerungsfrei überstehen können, bis die Selbstdisziplin dem einen oder anderen eine Latte über den Kopf zieht und an seine Versprechungen erinnert.

Aber was ist das denn für ein Start in ein jungfräuliches, unbelastetes Jahr voller potentieller Glücksmomente?
Es ist doch unsinnig, das Leben aus seinem Leben und die Menschlichkeit aus den Menschen verbannen zu wollen.
Also sollte man einfach ab 1.1. nur rauchen, wenn man sich so richtig gut fühlt, weil es in allen anderen Fällen sowieso keinen Spaß macht. Und sich für’s Essen mehr Zeit nehmen und es bewusst und ausgiebig genießen, weil es dann gar nicht ansetzen kann. Außerdem sollte man seiner Haut und seinem Gemüt mehr Sonnenlicht gönnen, dann ist man glücklich, im Freien und bewegt sich, weil es da keine Stühle gibt, automatisch – und das reicht! Die Arbeit schiebt man auch nicht mehr auf, man lässt einfach den überflüssigen Teil komplett weg und hat dann genug Zeit, die wichtigen Dinge gleich und zur eigenen Zufriedenheit zu erledigen. Und die Kinder lässt man an all diesen Tätigkeiten teilhaben, indem sie einen begleiten oder dabei helfen, auch wenn es dann ein bisschen länger dauert – dafür muss man sich keine Hinhalte-Taktiken ausdenken.

Hört sich das nicht wesentlich besser an? Aber vor allem zwingt es einen, an all diesen Dingen Freude zu haben, denn damit erhalten sie ihre Berechtigung und sind nicht mehr per se ein gebrochener Vorsatz.

Und wem das jetzt alles zu esoterisch ist, der kann es halten wie ich: ich werde auch dieses Jahr wieder nicht anfangen, zu rauchen. Und das habe ich noch jedes Jahr geschafft.

*
Ich wünsche euch allen einen wunderschönen, angenehmen Übergang in das neue Jahr, das unsere besten Eigenschaften aus uns herausholen und uns allen beweisen wird, dass wir unglaublich tolle, liebenswerte Menschen sind.
Vielen Dank für euer Interesse!

Dez 252010
 

Christbaum 2010Wie an der sinkenden Frequenz meiner Posts unschwer zu erkennen war, hatte es auch mich fest im Griff, das Weihnachtsfieber. Es ist aber auch faszinierend, dass man jedes Jahr wieder von einem seit Jahrtausenden unveränderten Datum hinterrücks und unvorbereitet überrumpelt werden kann – so ähnlich wie unser Jüngster auch noch beim zweiundwanzigsten „Buh!“ erschrickt.

Aber unanhängig davon liebe ich das Weihnachtsfest und alles, was damit zusammenhängt: Kerzen, Plätzchen, Backen, Basteln, Baumschmuck und vor allem die Freude, die unsere Kinder an all diesen Dingen haben – auch wenn das für mich manchmal mit Zeitnot und zum Ende hin auch gelegentlich mit Erschöpfungszuständen verbunden ist.
Jetzt, in diesem Moment, bin ich gerade völlig entspannt, da auch unser großes Weihnachtsessen (erfolgreich) hinter mir liegt und alles wunderbar geklappt hat. Deswegen wünsche ich euch allen – etwas verspätet, dafür aus tiefstem Herzen – noch erholsame und ruhige Feiertage und hoffe, ihr hattet einen ebenso schönen Weihnachtsabend wie wir.

Dez 202010
 

Auf dem linken Ausleger unseres Sofas befindet sich ein Art Bermuda-Dreieck – oder vielleicht auch ein Dimensionsportal. Auf jeden Fall ein Naturphänomen, dass Dinge verschwinden und, wenn überhaupt, nur sehr spät oder in verändertem Zustand wieder auftauchen lässt. Es entzieht Hosentaschen den Inhalt und Lebewesen die Energie, was zu sofortigem Bewusstseinsverlust (=Schlaf) führt. In ihm verschwinden Spielfiguren, Münzen und Kekse genauso unauffindbar wie körperliche Aktivität und gute (Arbeits-)Vorsätze. Manchmal tritt die Sogwirkung so offensichtlich in Kraft, dass man dem Sofa das Verschwundene relativ schnell wieder durch äußere Gewalteinwirkung entreißen kann. Meistens jedoch werden die Dinge klammheimlich und leise verschluckt, wenn es ihre Konsistenz erlaubt, zu kleinen Krümeln zermahlen und erst sehr viel später wieder freigegeben.
Nämlich beim nächsten Großputz. Dann werden die traurigen Überreste gnadenlos dem Staubsauger – nein, dem schwarzen Loch zum Fraß vorgeworfen.

Dez 172010
 

Schloss Hexenagger

Ich habe ja hier vor Kurzem schon einmal über dieses Thema geschrieben, spüre aber das dringende Bedürfnis, es noch einmal zu erwähnen: ich habe ein fantastisches Auto. Mit meinem alten fahrbaren Untersatz hätte ich nämlich auf den heutigen Ausflug ins benachbarte Hexenagger verzichten müssen, weil er schon einmal gar nicht aus unserer Straße herausgekommen wäre. So aber haben wir eine wundervolle Zeit auf einem unglaublich romantischen, tief verschneiten Weihnachtsmarkt verbringen können, der durch die Wetterlage (nicht alle haben ein fantastisches Auto) auch noch frei und mit Kinderwagen begehbar war – das gab es schon seit Jahren nicht mehr!

Dez 152010
 

Wir haben bei keinem unserer Kinder die Notwendigkeit gesehen, unsere Sprache auf rudimentäre Bruchstücke zu reduzieren oder vereinfachende Wortkreationen zu schaffen. Es gab kein „Brummbrumm“ und keinen „Wauwau“ und Fremdwörter werden eben immer und immer wieder erklärt.  Daher entstehen häufig unerwartete Wortwechsel und Gespräche, die vor allem fremde Personen beeindrucken.

Am Sonntag hat unsere Dreijährige wieder einmal einen Knüller geliefert, der die gesamte Familie erheiterte. Sie hatte sich gestoßen und jammerte etwas übertrieben, was ihre Oma mit „Oh je, oh je, lebst Du noch?“ kommentierte. Sie meinte darauf – etwas echauffiert: „Natüllich leb‘ ich noch!“

Und heute setzte unsere neunjährige noch eins drauf: sie kam von der Schule nach Hause und erklärte stolz, sie habe einen Fehler im Aufsatz, den sie aber nicht verbessern müsse.
Genau, Häääh?? Wieso?
Sie schrieb von einer „unsympathischen“ – halt, „unsimpatischen“ Katze. Ihre Lehrerin verbesserte das Wort FALSCH (unsymphatisch). Als sie es bei der Herausgabe bemerkte, erließ sie unserer Tochter die sonst üblichen schriftlichen drei Wortwiederholungen.

Dez 132010
 

Es ist dunkel und still. Kein Lüftchen regt sich. Es ist bitterkalt. Die Straßen sind menschenleer und verschneit. Lautlos fallen die Schneeflocken vom Himmel und nur ein leises Rauschen aus der Ferne zeugt davon, dass die Welt sich noch dreht. Es ist wieder dieser Moment zwischen Nacht und Tag, der die Zeit stillstehen lässt, weil die Natur kurz die Luft anhält – um gleich darauf tief einzuatmen, wenn die Sonne am Himmel erscheint und alles Schwere mit sich nach oben zieht. Die Leichtigkeit des Tages durchflutet jeden Raum, spült Gedanken weg und bringt Geschäftigkeit. Die Stadt erwacht zum Ameisenhaufen, die Menschen werden zu schnatternden Gänsen, die sich in Scharen durch Straßen, Schulen und Geschäfte drängen, Glucken, die sich um Nachwuchs und Ernährung kümmern, Wölfen und Schafen, die in Büros ihre Existenz formen. Aktivität und Bewegung füllen den Raum, der vorher frei und leer war.
Erst spät am Tag, wenn die Sonne wieder untergeht und die Nacht ihren Mantel der Stille niedersinken lässt, zügeln die Menschen ihre Schritte und kommen langsam wieder zur Ruhe. Alles tierische fällt von ihnen ab und die tagsüber hinterherhechelnden Gedanken können endlich aufschließen, um den ihnen zustehenden Platz wieder einzufordern.
Im Sommer, wenn die Tage lang und die Anziehung der Sonne stark ist, schlafen wir dann bereits. Aber in der Zeit der langen Nächte können wir nicht fliehen – wir müssen die Gedanken denken. Manch einer nennt das dann Winterdepression.

Dez 102010
 

SchneeflutNachdem die Schule heute ausfällt, kann ich schnell das nächtliche Schneetreiben dokumentieren: so sieht mein Blick auf die Straße aus. Welche Straße? Na ja, irgendwo, einen halben Meter unter der Oberfläche war sie einmal. Glaube ich.
Noch so eine Nacht, und ich kann das Fenster nicht mehr öffnen, ohne überschüttet zu werden.

Was für ein Winter!
Meine Kinder finden es nur fantastisch und ich, ehrlich gesagt, auch – allerdings muss ich nicht frühmorgens zur Arbeit fahren. Allen armen Schweinen, die jetzt in Staus festsitzen, wünsche ich eine Engelsgeduld, einen vollen Tank, gute Winterreifen und eine baldige Ankunft.

Dez 062010
 

„Mama, gibst du mir den Schnitten?“
„Was möchtest du?“
„Den Schnitten! Zum Schnitten fahren!
„Ach so, den Schlitten! Aber der ist doch so groß, kannst du den überhaupt bis zum Spielplatz ziehen?“
„Du musst den lunter tun (die Treppe) und ich zieh dann.“
„Ja, aber schaffst du das denn?“
„Du must ihn lunter tun!“
„Ja, ja, (ich stelle ihn runter) aber – ach, probier’s einfach.“
Sie zieht vergeblich, fällt dann beim Ziehen nach hinten um, der Schlitten rutscht ein kleines Stück.
„Hey, (strahlende Augen) er hat sich lührt!“

Dez 042010
 

Kalligraphie Vorbereitung

Das braucht man für die Kalligraphie:
Einen Schreibtisch voller Krimskrams, Geduld und vor allem viel Zeit.
Ich muss mich immer erst einmal „warm schreiben“, damit die Buchstaben fein und gleichmäßig aussehen, dieses Mal kam noch erschwerend hinzu, dass meine schwarze Tinte eingetrocknet war. Ich konnte sie zwar erfolgreich wieder zum Leben erwecken, hatte dafür aber hinterher ziemlich schwarze Finger – gut, dass meine Kinder das nicht gesehen haben…

Dann also frisch ans Werk, eine kurze Skizze für die großen Zahlen, der Rest läuft dann von selbst. Erst die schwarzen Textteile, dann die roten Versalien, ein paar Zahlen, ein Strichlein hier, eine Linie dort –

Kalligraphie Urkunde

und fertig ist die Urkunde. Noch ein paar Bildchen, ab in den Rahmen und dann schnell zum Kunden.

Schade, dass es nur ganz selten zu solchen Aufträgen kommt, weil ich das sehr gerne mache – aber ein Urkunden- Vordruck ist leider deutlich billiger und wird eben meist bevorzugt. Also an dieser Stelle noch einmal Herzlichen Dank an den Auftraggeber!

Dez 032010
 

Gestern haben mich die Schneemassen, von denen ich vorgestern schon erzählt habe, meinen sonst relativ ruhigen Vormittag gekostet: die Schulen des kompletten Landkreises hielten nämlich ihre Pforten geschlossen.
Tochter jubelt „Olé!“, Mutter murmelt „Oh nee!“, denn sie vermutet ganz stark, dass sich die Mädels jetzt schon am Vormittag in den Haaren haben – und sie hat Recht!

Da sitze ich also, wie üblich, arbeitenderweise vor meinem PC, als sich unser Jüngster meldet. Wie praktisch, dass die Älteste zuhause ist, die kann man schnell zur Kleinkind-Belustigung nach oben schicken, bis der Rest erledigt ist. Gesagt, getan und die Mittlere läuft gleich mit.
Ich tippe weiter, die Kinder spielen und lachen. Noch ein paar Klicks, inzwischen meckert die Große. Ich wage noch ein paar Zeilen, plötzlich lautes Poltern von oben und eine sich überschlagende Stimme der Großen. Also schnell alles speichern (es poltert weiter) und hurtig nach oben.
Zimmertür aufreißen, Pauschalschimpftirade loswerden und dann erst bemerken, dass nur die beiden Kleinen auf dem Boden sitzen. Nach einem kurzen HÄ?? nach der Großen rufen. Da tönt plötzlich eine Stimme aus dem Kleiderschrank: „Die hat mich eingesperrt und die Tür geht nicht mehr auf.“
Also nochmal die Kleine schimpfen, während ich die Tür aufmache, kurz innehalten und nach einem weiteren HÄ?? die Große fragen: „Warum hast du dich überhaupt einsperren lassen??“ Sie murmelt irgendwas von Spielen und sagt: „Sie hat es mir vorher gezeigt, da hat sie zu- und wieder aufsperren können!“
Ich erkläre ihr, dass eine Dreijährige in dieser Hinsicht wenig verlässlich und gegen die Türen schlagen auch keine Lösung ist. Darauf meint sie: „Ich habe ihr ja gesagt, dass sie dich holen soll, aber sie hat nur gelacht!“

Das habe ich auch. Aber erst, als ich alleine war.
Und alles nur wegen dem vielen Schnee.

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